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Ein Kredit besteht im Kern aus drei Bausteinen. Die Zinsen sind der Preis, den Sie für das geliehene Geld zahlen. Die Tilgung ist der Teil Ihrer Rate, mit dem Sie die Schulden tatsächlich abbauen. Und die Laufzeit sagt, wie lange das Ganze dauert, bis nichts mehr offen ist.
Klingt einfach. In der Praxis stolpern trotzdem viele Menschen genau hier, weil Bankunterlagen die drei Begriffe gern vermischen und mit Fachwörtern wie Annuität, Sollzinsbindung und Restschuld garnieren. Dabei ist die Mechanik dahinter überschaubar, wenn man sie einmal in Ruhe durchgeht.
Genau das machen wir jetzt. Mit echten Zahlen, einem Beispiel, das sich durch den ganzen Text zieht, und ohne den üblichen Werbeton aus den Prospekten. Wenn Sie parallel Ihre eigene Rate durchspielen wollen, öffnen Sie am besten schon mal den Kreditrechner in einem zweiten Tab.
Was passiert eigentlich, wenn man einen Kredit aufnimmt?
Eine Bank überlässt Ihnen Geld, das ihr gehört, für eine bestimmte Zeit. Dafür will sie zwei Dinge zurück: das Geld selbst und eine Vergütung fürs Warten und fürs Risiko. Mehr steckt hinter dem Kreditgeschäft nicht.
Das Risiko ist dabei der spannendere Teil. Die Bank weiß nicht, ob Sie in vier Jahren noch denselben Job haben. Sie kalkuliert deshalb mit Wahrscheinlichkeiten und lässt sich diese Unsicherheit über den Zinssatz bezahlen. Wer sicher wirkt, zahlt weniger. Wer wackelig wirkt, zahlt mehr oder bekommt gar nichts.
Nach der Zusage bekommen Sie einen Vertrag, in dem die drei Größen stehen: Kreditbetrag, Zinssatz, Laufzeit. Daraus ergibt sich die monatliche Rate. Bei den allermeisten Verbraucherkrediten bleibt diese Rate über die gesamte Zeit gleich hoch, und das ist der Punkt, an dem viele ins Grübeln kommen. Denn obwohl Sie jeden Monat denselben Betrag überweisen, verändert sich innerhalb der Rate laufend etwas.
Am Anfang besteht die Rate zu einem großen Teil aus Zinsen. Mit jedem Monat, in dem Ihre Restschuld kleiner wird, fallen weniger Zinsen an, und der Tilgungsanteil wächst. Diese Verschiebung ist der eigentliche Motor jeder Kreditrückzahlung. Wir sehen sie uns später in einer Tabelle an.
Noch ein Wort zu einem verbreiteten Missverständnis: Die Zinsen werden nicht einmal am Anfang auf die volle Summe draufgeschlagen und dann verteilt. Sie werden monatlich auf die jeweils noch offene Restschuld berechnet. Deshalb kostet ein Kredit, den Sie schnell zurückzahlen, insgesamt viel weniger als derselbe Kredit über die doppelte Zeit.
Was sind Zinsen?
Zinsen sind Miete für Geld. Diesen Vergleich mögen Banker nicht besonders, er trifft es aber ziemlich genau. Sie nutzen etwas, das Ihnen nicht gehört, und zahlen dafür einen laufenden Preis, gerechnet in Prozent pro Jahr.
Wichtig ist die Bezugsgröße. Ein Zinssatz von 5 Prozent bedeutet nicht 5 Prozent vom ursprünglichen Kreditbetrag über die gesamte Laufzeit, sondern 5 Prozent pro Jahr auf die aktuelle Restschuld. Bei 20.000 Euro Restschuld sind das 1.000 Euro im Jahr, also rund 83 Euro im ersten Monat. Ein Jahr später, wenn nur noch 16.000 Euro offen sind, sind es eben nur noch 800 Euro im Jahr. Wer sich mit der reinen Zinsmechanik schwertut, kann sie mit dem Zinsrechner an eigenen Beträgen ausprobieren.
Sollzins vs. Effektivzins
Im Vertrag stehen immer zwei Prozentzahlen, und die Verwechslung der beiden ist der häufigste Anfängerfehler.
Der Sollzins, früher Nominalzins genannt, ist der reine Preis fürs Geld. Er wird für die monatliche Zinsberechnung verwendet und taucht im Tilgungsplan auf.
Der effektive Jahreszins geht weiter. Er packt zusätzlich die preisbestimmenden Nebenkosten mit hinein, etwa Vermittlungsgebühren, Kontoführungsentgelte, wenn sie zwingend anfallen, und vor allem den Zahlungsrhythmus. Deshalb liegt der Effektivzins fast immer über dem Sollzins.
Für den Vergleich zweier Angebote zählt ausschließlich der Effektivzins. Nur er zeigt, was ein Kredit unterm Strich kostet. Ein Angebot mit 4,9 Prozent Sollzins und happigen Gebühren kann teurer sein als eines mit 5,2 Prozent Sollzins ohne Extras. Restschuldversicherungen sind übrigens ein Sonderfall, sie fließen nur dann in den Effektivzins ein, wenn sie Bedingung für den Kredit sind. Freiwillig abgeschlossen tauchen sie dort nicht auf und verteuern den Kredit trotzdem erheblich.
Wovon die Zinshöhe abhängt
Der Zinssatz, den Sie bekommen, ist kein Listenpreis. Er entsteht aus mehreren Faktoren, die die Bank durchrechnet.
Da ist zunächst das allgemeine Zinsniveau. Die Refinanzierungskosten der Banken hängen an den Kapitalmärkten, und die reagieren auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Nach den kräftigen Anstiegen der Jahre 2022 und 2023 haben sich die Konditionen inzwischen auf einem mittleren Niveau eingependelt, deutlich über den Schnäppchenzeiten von 2020, aber weit entfernt von den zweistelligen Sätzen früherer Jahrzehnte.
Dann kommt Ihre persönliche Bonität ins Spiel. Einkommen, Beschäftigungsverhältnis, bestehende Verpflichtungen und Ihr Scorewert bei Auskunfteien fließen ein. Ein unbefristeter Job in Vollzeit wirkt besser als eine Kette befristeter Verträge. Wer wissen will, wie viel monatlich wirklich übrig bleibt, rechnet das Einkommen vorher sauber mit dem Brutto-Netto Rechner durch, denn Banken interessiert das Netto, nicht das Brutto auf dem Arbeitsvertrag.
Auch die Art des Kredits spielt eine Rolle. Eine Baufinanzierung ist durch die Immobilie besichert, das senkt das Risiko der Bank massiv. Deshalb liegen Bauzinsen deutlich unter denen eines freien Ratenkredits. Ein Dispokredit dagegen ist unbesichert und jederzeit kündbar, was ihn zur teuersten Variante überhaupt macht.
Und schließlich: Laufzeit und Kreditsumme. Sehr lange Laufzeiten bedeuten mehr Unsicherheit für die Bank, sehr kleine Beträge verursachen relativ hohe Bearbeitungskosten. Beides kann den Zins nach oben treiben.
Was ist Tilgung?
Tilgung ist der Teil Ihrer Rate, der die Schulden wirklich kleiner macht. Zinsen sind weg, sobald Sie sie überwiesen haben. Tilgung dagegen arbeitet für Sie.
Ein Zahlenbeispiel macht das greifbar. Sie zahlen 500 Euro im Monat, davon sind 180 Euro Zinsen und 320 Euro Tilgung. Nach diesem Monat ist Ihre Restschuld um 320 Euro gesunken, nicht um 500. Genau deshalb ärgern sich viele Kreditnehmer nach dem ersten Jahr: Sie haben 6.000 Euro überwiesen, aber nur etwa 3.900 Euro Schulden abgebaut. Das ist kein Betrug, sondern schlicht die Mechanik.
Anfangstilgung einfach erklärt
Bei Baufinanzierungen sprechen Banken selten von der Rate, sondern vom anfänglichen Tilgungssatz. Damit ist gemeint, welcher Prozentsatz der Darlehenssumme im ersten Jahr getilgt wird.
Bei 300.000 Euro Darlehen und 2 Prozent Anfangstilgung sind das 6.000 Euro Tilgung im ersten Jahr, also 500 Euro pro Monat. Dazu kommen die Zinsen. Bei 3,5 Prozent Sollzins wären das im ersten Jahr 10.500 Euro, also 875 Euro monatlich. Die Rate liegt damit bei 1.375 Euro.
Das Wort "anfänglich" ist entscheidend. Der Tilgungssatz bleibt nicht bei 2 Prozent stehen. Weil die Rate konstant bleibt und die Zinslast sinkt, steigt der Tilgungsanteil Jahr für Jahr an. Nach zehn Jahren tilgen Sie bei gleicher Rate vielleicht schon mit 2,8 Prozent. Dieser Effekt ist der Grund, warum eine scheinbar kleine Erhöhung der Anfangstilgung die Laufzeit so stark verkürzt.
Als grobe Orientierung gilt heute: Unter 2 Prozent Anfangstilgung sollten Sie bei einer Immobilie nicht starten, sonst schleppen Sie die Restschuld bis ins Rentenalter. Wenn es das Budget hergibt, sind 3 Prozent die deutlich entspanntere Wahl. Bei der Kalkulation der Gesamtkosten gehören übrigens auch die Kaufnebenkosten dazu, allen voran die Grunderwerbsteuer, die je nach Bundesland zwischen 3,5 und 6,5 Prozent liegt.
Endfällige Tilgung als Alternative
Es gibt auch Kredite, bei denen Sie während der Laufzeit gar nichts tilgen. Sie zahlen nur die Zinsen, und am Ende wird die komplette Summe auf einen Schlag fällig. Das nennt sich endfälliges Darlehen oder Fälligkeitsdarlehen.
Klingt zunächst attraktiv, weil die laufende Belastung niedrig ist. Der Haken: Die Zinsen bleiben über die gesamte Laufzeit auf dem vollen Betrag, weil die Restschuld nie sinkt. Unterm Strich zahlen Sie also deutlich mehr Zinsen als bei einem normalen Tilgungsdarlehen.
Sinnvoll ist das nur in bestimmten Konstellationen, etwa wenn eine Lebensversicherung oder ein Bausparvertrag zeitgleich fällig wird und die Tilgung übernimmt, oder bei vermieteten Objekten, wo die Zinsen steuerlich absetzbar sind und ein hoher Schuldenstand gewollt ist. Für die selbst genutzte Eigentumswohnung ist es in aller Regel die falsche Wahl.
Was bedeutet Laufzeit?
Die Laufzeit ist die Zeitspanne von der Auszahlung bis zur letzten Rate. Bei Ratenkrediten liegt sie typischerweise zwischen 12 und 96 Monaten, bei Baufinanzierungen reden wir über 25 bis 35 Jahre bis zur vollständigen Rückzahlung.
Hier lauert eine Begriffsfalle, die vielen Immobilienkäufern teuer zu stehen kommt: Laufzeit und Zinsbindung sind nicht dasselbe. Die Sollzinsbindung ist der Zeitraum, für den Ihr Zinssatz garantiert ist, oft 10 oder 15 Jahre. Die Gesamtlaufzeit bis zur letzten Rate ist meist viel länger. Nach Ablauf der Zinsbindung bleibt eine Restschuld übrig, die Sie neu finanzieren müssen, zu den dann geltenden Konditionen. Ob die höher oder niedriger sind, weiß heute niemand.
Ein Punkt, der oft untergeht: Eine längere Laufzeit senkt die monatliche Rate, aber sie erhöht die Gesamtkosten teilweise dramatisch. Bequemlichkeit im Alltag wird mit Zinsen bezahlt. Auf der anderen Seite bringt eine zu knapp kalkulierte Rate nichts, wenn dann jede Autoreparatur zum Drama wird. Der Kaufkraftverlust über die Jahre relativiert lange Laufzeiten ein Stück weit, das können Sie mit dem Inflationsrechner grob abschätzen, ersetzt aber keine ehrliche Haushaltsrechnung.
Wie hängen Zins, Tilgung und Laufzeit zusammen? Beispielrechnung
Jetzt kommt das Beispiel, das den ganzen Zusammenhang sichtbar macht. Wir nehmen eine Baufinanzierung über 250.000 Euro bei einem Sollzins von 3,6 Prozent und variieren nur eine einzige Größe: die Anfangstilgung.
| Anfangstilgung | Monatliche Rate | Laufzeit bis schuldenfrei | Zinskosten gesamt |
| 1,5 Prozent | 1.062 Euro | rund 39 Jahre | rund 245.000 Euro |
| 2,0 Prozent | 1.167 Euro | rund 31 Jahre | rund 184.000 Euro |
| 3,0 Prozent | 1.375 Euro | rund 23 Jahre | rund 128.000 Euro |
| 4,0 Prozent | 1.583 Euro | rund 18 Jahre | rund 99.000 Euro |
Schauen Sie sich die erste und die dritte Zeile an. Der Unterschied in der Monatsrate beträgt 313 Euro. Der Unterschied bei den Zinskosten beträgt rund 117.000 Euro. Für den Preis eines etwas günstigeren Autos in der Garage sparen Sie sich den Gegenwert einer kleinen Eigentumswohnung an Zinsen.
Das liegt an der Rückkopplung. Jeder Euro, den Sie zusätzlich tilgen, senkt die Restschuld, und auf die kleinere Restschuld fallen im nächsten Monat weniger Zinsen an, wodurch wieder mehr von der Rate in die Tilgung fließt. Der Effekt beschleunigt sich mit jedem Jahr. Zinseszins, nur eben zu Ihren Gunsten.
Umgekehrt gilt dasselbe für den Zinssatz. Bleiben wir bei 250.000 Euro und 2 Prozent Anfangstilgung, aber senken den Sollzins von 3,6 auf 3,1 Prozent: Die Rate sinkt auf 1.062 Euro, und die Laufzeit verkürzt sich auf rund 29 Jahre. Ein halber Prozentpunkt, und Sie sind zwei Jahre früher fertig. Deshalb lohnt sich das Feilschen um Nachkommastellen bei großen Summen tatsächlich, während es beim 5.000-Euro-Ratenkredit fürs Sofa eher Nebensache ist. Wer solche Prozentunterschiede schnell überschlagen will, nutzt dafür den Prozentrechner.
Das Annuitätendarlehen, die häufigste Kreditform
Fast jeder Kredit in Deutschland ist ein Annuitätendarlehen. Der Name kommt vom lateinischen annus, dem Jahr, und meint schlicht: gleichbleibende Jahresleistung. Sie zahlen jeden Monat denselben Betrag, und innerhalb dieses Betrags verschiebt sich das Verhältnis von Zins zu Tilgung.
Wie stark diese Verschiebung ausfällt, zeigt der folgende vereinfachte Verlauf. Grundlage sind unsere 250.000 Euro bei 3,6 Prozent Sollzins und 2 Prozent Anfangstilgung, also 1.167 Euro monatlich.
| Jahr | Zinsanteil im Jahr | Tilgungsanteil im Jahr | Restschuld am Jahresende |
| 1 | 8.910 Euro | 5.090 Euro | 244.910 Euro |
| 5 | 8.140 Euro | 5.860 Euro | 221.980 Euro |
| 10 | 7.020 Euro | 6.980 Euro | 189.550 Euro |
| 15 | 5.680 Euro | 8.320 Euro | 150.870 Euro |
| 20 | 4.080 Euro | 9.920 Euro | 104.760 Euro |
| 25 | 2.170 Euro | 11.830 Euro | 49.780 Euro |
| 30 | 350 Euro | 13.650 Euro | 0 Euro |
Die Zahlen sind gerundet, das Muster stimmt aber. Im ersten Jahr geht deutlich mehr Geld an die Bank als in Ihre eigene Tasche. Im Jahr 10 halten sich Zins und Tilgung ungefähr die Waage. Ab da kippt es zu Ihren Gunsten, und in den letzten Jahren besteht die Rate fast nur noch aus Tilgung.
Was das praktisch bedeutet: Wer nach acht Jahren verkauft, hat gefühlt viel gezahlt und wundert sich über die hohe Restschuld. Wer durchhält, erlebt in der zweiten Hälfte eine Art Beschleunigung. Aussteigen lohnt sich rechnerisch fast nie kurz vor dem Kipppunkt.
Was ist ein Tilgungsplan und wofür brauche ich ihn?
Der Tilgungsplan ist die vollständige Aufstellung aller Raten über die gesamte Zinsbindung. Für jede Rate steht darin, wie viel Zinsen enthalten sind, wie viel getilgt wird und wie hoch die Restschuld danach ist.
Bei Verbraucherdarlehen mit fester Laufzeit haben Sie einen gesetzlichen Anspruch darauf. Die Bank muss Ihnen den Plan aushändigen, kostenlos, und auch während der Laufzeit jederzeit einen aktuellen liefern. Falls Sie den Ihren nie gesehen haben: nachfragen. Er kostet nichts und beantwortet die meisten Fragen sofort.
Am wichtigsten ist die letzte Zeile der Zinsbindung. Dort steht die Restschuld, die nach zehn oder fünfzehn Jahren übrig bleibt und die Sie dann anschließen müssen. Diese Zahl sollten Sie kennen, bevor Sie unterschreiben, nicht erst, wenn der Brief mit dem Prolongationsangebot kommt.
Nützlich ist der Plan außerdem bei jeder Sonderzahlung. Sie sehen schwarz auf weiß, wie sich eine Extrazahlung auf Restschuld und Restlaufzeit auswirkt. Und beim Vergleich zweier Angebote entlarvt er Konstruktionen, bei denen eine niedrige Rate durch eine hohe Restschuld erkauft wird.
Sondertilgung, lohnt sich das?
Sondertilgung heißt: Sie zahlen außer der Rate zusätzlich Geld auf den Kredit ein. Bei Baufinanzierungen sind meist 5 Prozent der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr kostenfrei möglich, manche Banken bieten mehr. Bei Ratenkrediten dürfen Sie ohnehin jederzeit vorzeitig zurückzahlen, die Bank darf dann höchstens eine begrenzte Vorfälligkeitsentschädigung verlangen.
Der Effekt ist größer, als die meisten vermuten. Bleiben wir bei unserem Darlehen über 250.000 Euro mit 1.167 Euro Rate. Zahlen Sie ab dem zweiten Jahr jährlich 3.000 Euro extra, verkürzt sich die Laufzeit von rund 31 auf etwa 24 Jahre, und Sie sparen grob 45.000 Euro Zinsen. Das Geld für die Sondertilgung ist dabei kein verlorener Betrag, es reduziert unmittelbar Ihre Schulden.
Ob es sich lohnt, hängt trotzdem an einem simplen Vergleich: Bringt Ihr Geld anderswo nach Steuern mehr als der Kreditzins? Bei 3,6 Prozent Sollzins müssten Sie eine Anlage finden, die sicher mehr als 3,6 Prozent nach Abgeltungsteuer abwirft. Sichere Sparprodukte schaffen das derzeit nicht. Aktien vielleicht, aber eben nicht garantiert.
Zwei Dinge gehören trotzdem vorher geklärt. Erstens: Ein Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben bleibt liegen. Geld, das in der Tilgung steckt, holen Sie nicht mal eben zurück. Zweitens: Prüfen Sie, ob teurere Schulden existieren. Ein Dispo mit 11 Prozent oder ein Ratenkredit mit 8 Prozent gehören immer zuerst weg, bevor Sie eine günstige Baufinanzierung extra tilgen.
Worauf sollte ich beim Kreditvergleich achten?
Der Zinssatz ist wichtig, aber er ist nicht alles. Wer nur auf die kleinste Prozentzahl schaut, übersieht regelmäßig die Punkte, die später Geld oder Nerven kosten.
Vergleichen Sie grundsätzlich den effektiven Jahreszins, und zwar bei identischer Laufzeit und identischer Summe. Ein Angebot über 84 Monate sieht bei der Monatsrate immer besser aus als eines über 48 Monate, kostet insgesamt aber mehr.
Achten Sie bei Immobilienkrediten auf die Länge der Zinsbindung. Zehn Jahre sind günstiger als zwanzig, hinterlassen aber eine größere Restschuld zum Anschlussrisiko. Nach zehn Jahren haben Sie zudem ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht mit sechs Monaten Frist, unabhängig davon, wie lange die Zinsbindung ursprünglich vereinbart war. Das ist ein wertvolles Recht, das kaum jemand kennt.
Weitere Punkte, die den Unterschied machen: die Höhe der kostenfreien Sondertilgung, die Möglichkeit, den Tilgungssatz während der Laufzeit zu ändern, Bereitstellungszinsen bei Neubauten und die Frage, ob eine Restschuldversicherung stillschweigend mit eingerechnet wurde. Letzteres ist ein Klassiker bei Ratenkrediten aus dem Autohaus.
Und ganz praktisch: Holen Sie mehrere Angebote ein, aber lassen Sie sie als Konditionsanfrage stellen, nicht als Kreditanfrage. Die Konditionsanfrage ist Schufa-neutral, die Kreditanfrage nicht. Zehn echte Kreditanfragen in zwei Wochen verschlechtern Ihren Score, obwohl Sie nur vergleichen wollten.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Sollzins und Effektivzins?
Der Sollzins ist der reine Preis fürs Geld, der Effektivzins enthält zusätzlich verpflichtende Nebenkosten und den Zahlungsrhythmus. Vergleichen Sie immer den Effektivzins.
Warum sinkt meine Restschuld am Anfang so langsam?
Weil die Zinsen auf die noch hohe Restschuld berechnet werden und deshalb einen großen Teil der Rate auffressen. Mit jedem Jahr verschiebt sich das zugunsten der Tilgung.
Was passiert nach Ablauf der Zinsbindung?
Die Restschuld wird neu finanziert, entweder bei derselben Bank per Prolongation oder bei einer anderen per Umschuldung. Ein Vergleich lohnt sich fast immer, der Wechsel ist unkomplizierter als sein Ruf.
Kann ich einen Kredit jederzeit vorzeitig ablösen?
Bei Ratenkrediten ja, die Bank darf höchstens eine gedeckelte Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Bei Immobilienkrediten geht es innerhalb der Zinsbindung nur in Sonderfällen, nach zehn Jahren aber immer mit sechs Monaten Kündigungsfrist.
Wie hoch sollte meine Rate maximal sein?
Eine gängige Faustregel setzt die Grenze bei etwa 35 bis 40 Prozent des Nettohaushaltseinkommens, inklusive aller Nebenkosten. Rechnen Sie lieber vorsichtig und lassen Sie Luft für Reparaturen.
Was ist eine Annuität?
Die gleichbleibende Gesamtrate aus Zins und Tilgung. Sie bleibt konstant, während sich die Anteile darin verschieben.
Bringt eine höhere Tilgung mehr als ein etwas niedrigerer Zins?
Häufig ja. Ein halber Prozentpunkt weniger Zins ist gut, ein Prozentpunkt mehr Tilgung verkürzt die Laufzeit meist stärker. Am besten beides kombinieren.
Zählt ein Kredit als Einkommen oder mindert er Steuern?
Ein privater Kredit ist steuerlich neutral. Nur bei vermieteten Immobilien oder betrieblicher Nutzung sind die Zinsen als Werbungskosten oder Betriebsausgaben absetzbar. Wie Steuersätze grundsätzlich zusammenspielen, zeigt unser Beitrag zu den Steuerklassen.
Fazit
Ein Kredit ist kein Buch mit sieben Siegeln, sondern eine Rechenaufgabe mit drei Variablen. Wenn Sie verstanden haben, dass Zinsen immer auf die Restschuld laufen und dass jeder zusätzlich getilgte Euro sich selbst verstärkt, haben Sie den wichtigsten Teil begriffen.
Die größten Fehler passieren nicht bei der Zinssuche, sondern bei der Rate. Zu knapp kalkuliert, und der erste unerwartete Rechnungsberg wird zum Problem. Zu lang gestreckt, und Sie schenken der Bank über die Jahre eine fünfstellige Summe, ohne es zu merken.
Nehmen Sie sich vor der Unterschrift eine Stunde Zeit, spielen Sie zwei oder drei Szenarien durch und lassen Sie sich den Tilgungsplan zeigen. Diese Stunde ist vermutlich die bestbezahlte Ihres Jahres.